„Die Nuss ist geknackt“

„Die Nuss ist geknackt und damit das Rätsel gelöst“, atmete Dr. Andreas Eiynck, Leiter des Emslandmuseums Lingen, erleichtert auf und gratulierte dem Heimatverein Altenberge zum „ältesten Bauernhaus des Emslandes“. Es stammt aus dem Jahre 1562 und gehört dem Landwirt Hermann Büter-Paukers (85) in der Dorfstraße Nr. 97 in Altenberge.

Unter den Heimatfreunden des Heimatvereins Altenberge nahmen auch Vorsitzender Bernhard Rolfes, Egon Hassenbrück und Schriftführer Ludger Rohlmann die Glückwünsche von Geschäftsführer des Emsländischen Heimatbundes Josef Grave, Hermann Albers vom Kulturamt des Landkreises Emsland und Dr. Martin Lenz vom Landesamt für Denkmalpflege in Hannover entgegen. Josef Grave: „Wir gratulieren zu diesem bedeutenden Fund und danken dem Heimatverein Altenberge und Dr. Eiynck für die engagierte Arbeit.“ Das Thema sei für das Verständnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von großer Bedeutung, und Dr. Eiynck habe mit seinem aufsehenerregenden Ergebnis das Thema des diesjährigen Jahrbuches beispielhaft eingeleitet, das das ländliche Bauern- und Siedlungswesen zum Schwerpunktthema habe. In Altenberge stehe jetzt das „älteste Bauernhaus des Emslandes“. Bisher waren zwei Bauernhäuser in Messingen in der Samtgemeinde Freren die ältesten im Emsland und stammten aus den Jahren 1586 und 1598.

Der Heimatverein Altenberge, so der Leiter des Lingener Emslandmuseums, plane schon seit geraumer Zeit den Abbau des alten Hauses, um es etwa 800 Meter entfernt am Plaatzenweg am Rande des neuen Wohngebietes als Heimathaus neu zu errichten. Bei einer Voruntersuchung im Jahre 1999 sei dann festgestellt worden, dass in dem um 1850 errichteten Bauernhaus ein sehr viel älteres Fachwerkgerippe stecke. Eine dendrochronologische Untersuchung habe dann ermittelt, dass dieses Balkengerüst aus dem Jahr 1713 stammt. Und in diesem Baugerüst seien weitere ältere Bauteile vermutet worden. Eine genaue Vermessung des Hauses habe dann im Frühjahr dieses Jahres diese Indizien verdichtet und weitere wichtige Hinweise ergeben.

Dieser älteste Kernbau hat, so Dr. Andreas Eiynck, eine ganz andere Konstruktionsweise als alle Bauernhäuser des 17. und 18. Jahrhunderts im Raum Meppen-Haren. Die Kernbalken zeigen ein sogenanntes „Dachbalkengefüge“, das eine typische Konstruktionsweise des 16. Jahrhunderts ist. Diese Bauart ist aber für diese Region bisher nicht belegt. Letzte Sicherheit gab den Forschern jetzt die wissenschaftlich anerkannte Bestimmungsmethode der dendrochronologischen Untersuchung der Bauhölzer, die über die Bestimmung und Auswertung der „Kernringe, der Splintringe und der Waldkante“ für sämtliche dem Altbestand zugeordnete Hölzer das Fälldatum 1562 ergab. Das im Querschnitt kleine, aber lange Bauernhaus habe ein verhältnismäßig niedriges Gebälk, so dass die Vermutung nahe liege, dass der heutige Fußboden aufgeschüttet wurde.

Dieser Fund sei der Sparsamkeit der alten Zimmerleute zu verdanken, erläuterte der Experte. Sie hätten früher im waldarmen Emsland gerne auf Altholz aus Abbrüchen zurückgegriffen. Da die Moorkolonie Haren-Altenberge erst 1820 gegründet worden sei, müsse das Haus „gewandert“ sein, sei um 1850 als „Altbau auf Abbruch“ erworben und in Altenberge wieder aufgebaut worden. Die umfangreiche Baudokumentation habe ergeben, dass die Bauhölzer aus dem Jahre 1562 beim Bau des Hauses im Jahre 1713 immerhin schon 150 Jahre alt und dennoch tadellos erhalten waren. Bei der Umsetzung nach Altenberge hätten sie schon 300 Jahre gehalten, und auch heute seien Ständer und Balken von 1562 „kernig und gesund“.

Dr. Martin Lenz vom Landesamt für Denkmalpflege bedauerte, dass das Haus heute nicht mehr genutzt werde. Denn durch einen Abbruch gehe letztlich für das Gebäude als Ganzes die Denkmaleigenschaft verloren. Aber eine Umsetzung in ein neues Heimathaus sei eine lohnende Alternative. Das gesamte Ständerwerk, so erläuterte Architekt Bernhard Becker das Vorhaben, das noch in diesem Jahr in Angriff genommen werden soll, werde in ein Heimathaus als „Wirtschaftsgebäude“ eingebunden. Auch die ehemalige „Upkamer“ soll es wieder geben. Das Gebäude soll etwas aus gleichem Eichenholz „aufgeständert“ werden. Die gesamten „Gebinde“ sollen sicherheitshalber als Ganzes abgenommen und mit einem Tieflader zum neuen Standort transportiert werden. Auch müssten die alten Sparrenpaare gerettet werden.